Anwälte und der Rechtsrat?

Vielleicht bin ich heute wegen des besseren Wetters in Berlin nur besonders entzückt, aber der aktuelle Anruf gerade erstaunte mich dann doch:

Hallo? Ich bräuchte einen verbindlichen Rechtsrat, machen sie so etwas?

Ich muss gestehen, dass ich ob der Frage gleich zu Beginn eines Telefonat mit einem Rechtsanwalt innerlich leicht verwirrt war und für einen kurzen Moment nicht wußte, was ich antworten soll. Ob ich der Anruferin helfen kann, weiß ich aufgrund des etwas unklaren Sachverhalts noch nicht. Einen Termin war ich hingegen im Stande ihr zu geben. Hat sich die Ausbildung bei mir für den Staat doch noch gelohnt.

Geschrieben von: Marian Härtel

Webview am Mittwoch

Endlich kommt heute wieder Sonne in Berlin raus. Das hebt doch gleich die Motivation wieder ein bißchen, Arbeit zu erledigen. Interessant finde ich den Umstand, dass ein großer Hersteller von Software seinem Vorstoß, mehr im Internet tätig zu sein, in allen Bereichen Vorschub leistet. Auf ein postalisches Schreiben im Auftrag meines Mandanten bekam ich am letzten Tag der Frist eine Email der angestellten Rechtsanwaltskollegin mit dem sinngemäßen Inhalt “Anspruch nicht gegeben”. Ob man da noch eine Portopauschale abrechnen kann :-)

Damit müssen wir uns wohl abfinden, denn Computer werden immer mehr in unseren Alltag eindringen, sogar bei Kindern holt der Computer nach der KidsVebraucherAnalyse 2008 mächtig auf. Über 70% benutzen demnach in ihrer Freizeit bereits den PC. Kommt da Fitness zu kurz? Wahrscheinlich ja. Ich werde aber heute trotzdem wieder Sport machen, auch wenn Übergeschwichtige nun angeblich doch nicht so gerfährlich leben.

Abschließen möchte ich den heutigen Webview mit einer Meldung des Kollegen Dr. Bahr, der berichtet, dass der BGH bereits im April entschieden hatte, dass das Überlassen eines Ebay-Kontos an Dritte Hehlerei sein kann. Da passt es doch gut, dass es Bestrebungen des Bundesministeriums der Justiz gibt, ein in allen EU-Mitgliedstaaten einheitliches Informationsblatt (Letter of Rights) zu verfassen.

Geschrieben von: Marian Härtel

Callcenter im Besitz von unberechtigten Kontodaten; Kontoauszüge gut kontrollieren

Gestern ging es zwar durch die Abendnachrichten, aber auch hier soll noch einmal darauf hingewiesen werden, dass es anzuraten ist, in der nächsten Zeit die Kontoauszüge noch einmal genauer zu kontrollieren. Der Grund dafür ist, dass einige Callcenter in Deutschland, laut Pressemeldung der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein, im unberechtigten Besitz von Kontodaten sind und diese wegen angeblicher Bestellung von Glücksspiellosen zu Abbuchungszwecken nutzen.

Im Dunkeln blieb laut Vebraucherzentrale bislang, woher die Daten stammen. Viele Betroffene, die sich bei der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein beschwerten, gaben an, dass sie vor längerer Zeit SKL-Lose per Kontoabbuchung bezahlt haben. Die Verbraucherzentrale hat anonym eine CD mit über 17.000 Datensätzen erhalten. Neben dem Namen, der vollständigen Adresse mit Telefonnummer und dem vollständigen Geburtsdatum sind die kompletten Bankdaten von über 17.000 Verbrauchern auf dieser Diskette gespeichert. Die Namen der Exceldateien weisen auf die Süddeutsche Klassenlotterie hin.

Die Verbraucherzentrale hat nach Kenntnis dieses Vorganges das Unabhängige Landeszentrum für Datenschutz informiert, das weitere juristische Schritte, u.a. die Einleitung eines Strafverfahrens, vornehmen wird.

Geschrieben von: Marian Härtel

Kommentar zur ARD-Sendung “Spielen, spielen, spielen”

Gestern Abend lief auf der ARD die Reportage “Spielen, spielen, spielen … wenn der Computer süchtig macht”. Erfreulich an der mit 45 Minuten doch recht langen Sendung ist der Umstand, dass die Autoren sichtlich bemüht waren, keine allzu einseitige Kritik an Computerspielen unterzubringen, sondern vielmehr versuchten, die wirklichen Probleme bei dem Phänomen Computerspielsucht aufzuzeigen und dabei sogar verschiedene Generationen vorstellten.

Als jemand, der nunmehr seit 10 Jahren in der Spielebranche sein Geld verdient und seit 20 Jahren, stellenweise auch intensiv, ja zu intensiv, Computerspiele konsumiert bzw. konsumiert hat, möchte ich aber trotzdem einen Kommentar loswerden. Wie so viele Sendungen, die am Ende als wirkliche faire Berichterstattung einzuordnen wären, hat die Sendung gestern meiner Meinung nach vermissen lassen, Leute zu Wort zu kommen, die regelmäßig Computerspiele konsumieren und dabei nicht in eine derartige Abhängigkeitsspirale gelangen, wie es bei den drei vorgestellten Einzelschicksalen der Fall war. Dabei will ich nicht hervorheben, dass diese Personen vielleicht anderweitig psychologische Probleme haben/hatten, denn dafür bin ich zum einen nicht ausgebildet und zum anderen sind die genauen Familienumstände und dergleichen überhaupt nicht bekannt.

Vielmehr möchte ich diese Gelegenheit kurz nutzen, von mir zu erzählen. Ich habe schon als Jugendlicher relativ regelmäßig Computerspiele gespielt, trotzdem habe ich es immer geschafft Freunde zu haben, ich habe es geschafft ein Jahr im Ausland zu verbringen und ich habe mit relativ guten Noten mein Abitur absolviert. Auch danach habe ich nicht nur eine Affinität zu Computerspielen gehabt, sondern sogar mein Studium damit finanziert, eben diese zu testen. Das Studium habe ich trotzdem befriedigend und überdurchschnittlich zu einem Abschluss gebracht. Ich habe sogar ein Unternehmen gegründet und geleitet, das sich rein mit Computerspielen beschäftigt und es doch geschafft, meine juristische Ausbildung in allen Facetten zu beenden, um schließlich als Rechtsanwalt tätig sein zu können.

Ich spiele übrigens auch seit dem Erscheinen World of Warcraft. Und obwohl es Phasen gab, in denen ich im Rückblick vielleicht zu viel gespielt haben mag, ich denke ich wurde nie in dem Sinne abhängig, dass man behaupten kann, dass ich “krank” war oder dass ich gar mein Leben vernachlässigt habe. Das kann ich sagen, obwohl ich ohne jede Einschränkung dem Umstand zustimmen kann, dass World of Warcraft, und viele weitere Spiele, natürlich einen Faktor des menschlichen Suchtempfindens stimulieren, so funktionieren nun einmal Computerspiele; so funktionieren allerdings auch Fernsehserien mit Cliffhängern, so funktionieren Sammelkartenspiele und so funktionieren in einem gewissen Maße auch Musikbands, die große Publikumsscharen begeistern. Von Alkohol und Nikotin muss man dabei gar nicht erst anfangen.

Bin ich nun eine besonders starke Persönlichkeit? Ganz sicher nicht. Vielmehr bin ich eher eine ganz normale Persönlichkeit mit einem stabilen Familienleben und einem reichhaltigen sozialen Umfeld. Die Suchtfaktoren von Computerspielen, die in der Sendung gestern bemängelt wurden, können mich daher nicht derart stark beeinflussen, wie dies bei den drei vorgestellten Personen der Fall war, bzw. gelingt es mir und sehr vielen weiteren World of Warcraft-Spielern, ein Computerspiel in der meisten Zeit als genau das zu sehen, als was es konzipiert ist: Eine Freizeitbeschäftigung und eine Abwechslung vom Alltag.

Damit sei nicht ausgeschlossen dass bedauerliche Schicksale, wie gestern vorgestellt, geschehen können und dass Computerspiele dabei nicht ihren Teil zu beigetragen haben. Ich selbst habe Menschen kennengelernt, auch in World of Warcraft, die es ebenfalls mit der Spielzeit übertrieben haben und deren reales Leben gelitten hat. Ich habe aber auch Personen kennengelernt, die diese Sucht selbst überwunden haben, Menschen, die überhaupt nicht beeinflusst wurden und vor allem Menschen, die nach einiger Zeit zu der Erkenntnis gekommen sind, dass nicht World of Warcraft an einem Suchtsympthon, wie der Verlust einer Partnerschaft, schuld ist, sondern nur sie selbst.

Und genau diesen Umstand habe ich gestern an besagter Sendung vermisst. Zumindest indirekt wollte die Sendung klar machen, dass Computerspiele allein an den vorgestellten Schicksalen schuld sind und die unbesorgten Hersteller dieser Computerspiele an den Schicksalen noch Geld verdienen und sich sodann in schicken Clubs in Hamburg auch noch selbst feiern. In diesem Moment kehrte sich für mich der eigentlich positive Eindruck der Sendung zumindest teilweise ins Negative, denn dieses Fazit kann ich aus eigener Erfahrung und aus der Erfahrung als Redakteur eines Computerspielmagazins einfach nicht bestätigen. Computerspiele können nämlich für diese Schicksale sicher einen Anlass geben, aber am Ende kann man es mit Max Frisch und seinem Homo Faber halten und vielmehr resümieren, dass doch jeder seines eigenen Glückes Schmied ist.

Geschrieben von: Marian Härtel

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