Blizzard vs. Glider: Erneuter (fragwürdiger) Sieg

Blizzard hat gegen den World of Warcraft – Bot “Glider” und dessen Entwickler Michael Donnelly auch im zweiten Schritt des Verfahrens vor einem US-Gericht gewonnen und von den geforderten 6,8 Millionen Dollar Schadensersatz immerhin 6 Millionen Dollar zugesprochen bekommen. Grundlage für den Schadensersatz ist, dass das Gericht der Argumentation von Blizzard folgte, dass die Verwendung des Bots, der zudem gegen die Nutzungsbedingungen des Spieles verstößt, dazu führen würde, dass die Spieler weniger lange World of Warcraft spielen würden und Blizzard daher Einnahmeausfälle durch entgangene Abogebühren zugefügt werden würden.

Aus meiner Sicht ist die Entscheidung schon in zweifacher Hinsicht sehr fragwürdig. Zum einen dürften die Beweise für eben jene Behauptung sehr dürftig und unvollständig gewesen sein, obwohl ich den Volltext der Entscheidung noch nicht kenne, denn Blizzard kann gar nicht wissen, wie lange jeweils ein invidueller Spieler normalerweise World of Warcraft spielen würde. Durchschnittszeiten sind für einen derartigen Beweis untauglich. Aber auch schon aus eigener Erfahrung läßt sich sagen, dass die Argumentation stark hinken dürfte, denn die allermeisten Nutzer von Bots benutzen diese nicht, um World of Warcraft “durchzuspielen”, was sowieso nicht möglich ist, sondern um sich lästige Routineaufgaben zu erleichtern und damit, weil beispielsweise Gold gewonnen wurde, sogar noch länger zu spielen, als dies ohne die Benutzung eines Bots der Fall gewesen wäre.

Im Januar 2009 wird der Prozess gegen MDY Industries weitergehen und Richter David Campbel zu entscheiden haben, ob der Botentwickler zusätzlich gegen den Digital Millennium Copyright Act verstoßen hat.

Wie ist die Meinung der Leser? Ist ein Schadensanspruch gegen den Entwickler wirklich berechtigt oder müsste sich Blizzard vielmehr nur auf Handlungen gegen die Nutzer beschränken, da diese unter Umständen den Lizenzvertrag, den sie mit Blizzard eingegangen sind, verletzen?

Geschrieben von: Marian Härtel

2 Responses to “Blizzard vs. Glider: Erneuter (fragwürdiger) Sieg”

  1. A.Reichhardt Says:

    Dieser Glider verändert das Spiel, was nach den Nutzungsbedingungen von Blizzard nicht erlaubt ist. Der erstinstanzliche Richter meinte dazu, dass der Verstoß gegen die Lizenzbestimmungen hier eine Urheberrechtsverletzung sei, wenngleich er selbst einräumte, dass das lediglich seine Meinung sei. In der Tat ist diese Rechtsauffassung bedenklich, wenn man Einzelnen das Recht einräumen möchte, über Inhalt und Umfang des Urheberrechts selbst zu bestimmen.

    Einen Verstoß gegen den DMCA nahm das erstinstanzliche Gericht nicht an, weil der Kopierschutz “Warden” von Blizzard wohl nicht umgangen wurde.

    Was die hm, … eigene Erfahrung angeht… welche ich hier nicht kommentieren möchte, kann beides zutreffen: Sowohl eine Verkürzung der Spielzeit als auch nichts dergleichen. Einen positiven Effekt im Sinne einer Verlängerung des Abos sehe ich aber definitiv nicht: Was keinen Spass macht wird auch (nicht mehr) gespielt. Die nötige Zeit, auch repetitive Aufgaben zu erledigen, wird gebraucht, um interessantere Aufgaben wieder interessant erscheinen zu lassen. Jeden Tag Kuchen zu essen wird auf Dauer auch langweilig.
    Folge: Auch ein Bot, der “langweilige” Aufgaben für einen erledigt, führt nicht zu mehr Spielspaß. Die Mischung machts.

  2. Marian Härtel Says:

    Hallo Herr Reichard,

    es ging mir auch nur um die Argumentation zur Spielzeit. Aufs Urheberrecht bezog sich mein Kommentar ja nicht.

    Zu den langweiligen Aufgaben: Wenn diese aber ein Bot erledigt und man dann spannendere Sachen sich leisten kann, verlängert es vielleicht doch die Spielzeit, weil man sonst aufgehört hat. Im Prinzip ist es aber auch egal, denn Blizzard müsste es meiner Meinung nach Beweisen und ich bezweifele dass sie dies wirklich konnten. Insofern bin ich einmal auf den Text der Entscheidung gespannt.

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