Die Aufklärung des Mandanten durch den Rechtsanwalt – Normalfall oder Seltenheit?

Ich möchte einmal einen Kommentar aus meinem letzten Beitrag zum Anlass nehmen, um in den Raum zu stellen, wie gut die Aufklärung von Mandanten durch den eigenen Rechtsanwalt, insbesondere auch bei Kostenproblemen ist? Ich hatte ein ähnliches Problem schon einmal bei dem Beitrag Abmahnmissbrauch oder “Wie erklärt man Mandanten die Kosten?” angedeutet, möchte heute aber einmal rhetorisch die Frage ausweiten.

Da ich nicht weiß, ob der Kommentator hier ein Kollege oder ein Mandant eines Kollegen ist, gibt es für etwas provokante Frage mehrere Alternativen.

1) Er ist ein Kollege und hat die Erfahrung gemacht, dass viele Kollegen nicht besonders gut aufklären, dass Mandanten oft in sinnlose Verfahren gedrängt werden und über die Kosten und Erfolgschancen nicht aufgeklärt werden. Ein wenig deckt dies auch meine eigene Erfahrung.

2) Er ist ein Mandant eines Kollegen und hat die leidvolle Erfahrung gemacht, nicht aufgeklärt worden zu sein und am Ende mehr Geld und Stress gehabt zu haben, als es die Sache wert war. Dann ist es bedauerlich und vielleicht hilft es ihm in Zukunft, nicht einfach den erstbesten Rechtsanwalt aus den Gelben Seiten zu nehmen?

oder

3) Er ist ein Kollege und nutzt die Chance so viele Mandate zu akquirieren wie möglich. Schließlich haben wir ja eine Wirtschaftskrise ;-)

Bei uns in der Kanzlei ist es eigentlich normal, dass Mandanten vollkommen über Risiken aufgeklärt werden, auch wenn dies bedeutet, dass dann andere Kollegen sich den Mandanten einverleiben, die in Wettbewerbssachen und bei Abmahnungen eventuell weniger genau aufklären. Für mich gehört es zu einem normalen Juristenverständnis, den Mandanten auch einmal von einem Verfahren abzuraten, weil ich die Erfolgschancen als gering erachte – auch wenn mir dies mitunter dann Ärger mit dem Mandanten einbringt.

Aber ist dies der Normalfall? Oder hat man im Regelfall schlechtere Erfahrungen? Oder bin ich selber zu dumm und gebe dem Mandanten bereits viel zu viele Informationen bevor ich auch nur einen Cent auf dem Konto verbuchen konnte? Sollte ich Mandanten nur das nötigste sagen und mich freuen, wenn diese eben klagen wollen und die Kosten dann nur Nebenbei erklären?

Ich denke für die meisten Kollegen sollte man hier doch eine Lanze brechen und annehmen, dass sie sich in der modernen Zeit bewusst sind, im Wettbewerb mit anderen Kollegen zu stehen, aber ihrer Rolle als Organ der Rechtspflege entsprechend handeln, der?

Geschrieben von: Marian Härtel

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