Nachteile des Tipps: “Inkasso-Aufforderungen einfach ignorieren!”

Der durch diverse unseriöse Inkassounternehmen in letzter Zeit in die Mode gekommene Tipp, die Aufforderungen zu ignorieren, hätte einer Mandanten jetzt beinahe mehr Stress gemacht, als ihr lieb ist. Sie ging nämlich letztes Jahr zu einer Ärztin in Berlin, um sich bzgl. einer Diätkur beraten zu lassen. Ganze 10 Minuten verbrachte sie bei dieser Ärztin. Entsprechend erstaunt war die Mandanten, als sie im April diesen Jahres einen Brief von einem Inkassobüro erhielt, dass die Ärztin die Forderung gegen die Mandantin verkauft hätte und das Inkassobüro nun ca. 2500 Euro von ihr haben wolle. Überzeugt dass dies nur ein Fehler sein könnte, rief sie bei der Ärztin an, die ihr mündlich versicherte, dass alles in Irrtum sei.

Weitere Schreiben ignorierte die Mandanten auch durch den bekannten Tipp, dass Inkassobüros in vielen Fällen “Betrüger” seien. Dumm nur, dass die Mandantin im August ihren Jahresurlaub nahm, in dieser Zeit eine Klage eingereicht wurde und die 14tägige Notfrist über die Verteidigungsanzeige am Freitag ablief, die wir gerade noch so einhalten konnten.

Die beigelegten Rechnungen sind derart absurd und die Leistungen wurden nie durchgeführt, dass bei den zahlreichen Verkäufen von der Ärztin an ärztliche Verrechnungsstellen und wieder an Inkassobüros entweder tatsächlich Fehler gemacht wurden oder doch ein Betrugsversuch vorliegt. Man darf gespannt sein, was das Verfahren bringt, auch wenn es eigentlich nicht mein Rechtsgebiet ist. Wenn ich die Klageschrift mir jedoch anschaue und sehe, dass sich über satte drei Seiten ein – meiner Meinung nach – Standardtext über die Angemessenheit der Inkassogebühren und die Zulässigkeit der ganzen Verkäufe erstreckt, dann ist meine Meinung schon fast gefestigt. Mal sehen, was ich als Antwort bekomme, wenn wir die Erbringung der Leistungen alle bestreiten.

Geschrieben von: Marian Härtel

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